Verfressene Igelbande

Fütterst du einen, spricht es sich rum und viele andere kommen dazu. Letztes Jahr entdeckte ich einen Igel, der sich über das runtergefallenen Vogelfutter hermachte. Also richtete ich einen Igelfutterplatz ein – auf der Terrasse, damit ich ihn beobachten konnte. Bald stellte sich heraus, dass sich mehrere Igel (kleine, große, ganz kleine) angesprochen fühlten und sich vollfraßen. Und damit sie die Terrasse nicht vollkacken, baute ich ein Igelfutterhaus – hinten im Garten – ich berichtete schon darüber. Die mittelgroßen und großen Igel kamen gut durch den Winter, denn sie tauchten im Frühjahr wieder auf. Der ganz kleine hat sich selbstbestimmt seinem Schicksal gestellt. Auch darüber berichtete ich letztes Jahr.

Im diesem Frühjahr stellte sich heraus, dass ein Igelfutterhaus nicht ausreicht. Die Näpfe waren immer ratzekahl leer gefressen. Die Menge Futter reichte also nicht. Ich baute ein zweites Igelfutterhaus.

Igelfutterhaus Nr. 2 mit zwei Klappen.
Das Igelfutterhaus von innen mit Futter- und Trinknäpfen.

Und ich stellte Wildkameras auf, damit ich das Geschehen im Garten beobachten konnte. Das ist spannend, wenn ich die Fotos und Videos auslese. Aber auch ernüchternd. Denn es gibt ein sehr großes Igelmännchen, das regelmäßig die anderen Igel verprügelt, obwohl das Futter an Menge jetzt für alle reicht. Und obwohl die 2 Igelfutterhäuser weit auseinander stehen, treffen sie immer wieder auf den Prügelfreudigen. Warum also diese Agressivität? Die Antworten im Netzt lauten: konkurrenzverhalten in der Paarungszeit (Mai bis September) oder Ressourcenknappheit (zu wenig Futter oder Schlafplätze). Igel sind eigentlich Einzelgänger. Bei künstlich bereitgestellten Futter- und Schlafplätzen treffen mehrere Igel aufeinander, die sonst in der freien Natur klarkommen müssten. Aber solange bereitgestelltes Futter so regelmäßig angenommen wird, wie in meinem Garten, gehe ich davon aus, dass die Igel nicht genug Futter in der freien Natur finden. Sonst würden sie sicher ihrem Instinkt folgen und selber genug Futter finden.

Nicht selten treffen hier mehrere Igel gleichzeitig aufeinander.

Zwei bis drei Igel gleichzeitig im Futterhaus ist keine Seltenheit.

Auf folgenden Fotos schiebt ein Igel , als er durch die Eingangsklappe reinkommt, einen anderen direkt in den Futternapf. Rücksicht existiert scheinbar bei Igeln nicht. Der größte oder stärkste Igel schiebt alle anderen beiseite. Gut, wenn die anderen sich wehren können.

Nach so einer turbulenten Igelnacht sieht das Futterhaus wie ein Schlachtfeld aus. Die Näpfe sind nicht selten ineinander oder übereinander geschoben und die Zeitungsunterlage ist total vollgekackt. Da ist dann von meiner Seite echt Handlungsbedarf, bis alles wieder chic ist 🥴

Leider habe ich noch keinen Nachwuchs beobachten können. Dabei warte ich gerade darauf. So eine richtige Igelbande, die hinter ihrer Mutter hertrottet. Das wäre schön! Aber vielleicht kommt das ja noch. Letztes Jahr lief mir auch erst im Oktober der Nachwuchs über den Weg. Das war schon relativ spät für solch kleine Leichtgewichte. Aber das gehört eben auch zur Natur …

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