Es wird eine schwere Sturmflut an der Ostsee vom Wetterdienst vorausgesagt wird. Ich fahre an die Nordsee, wo das Wasser durch Ostwind weggeblasen wird. Also ist der Strand noch größer, als sonst. Da kann ich mit leben.

Es bläst richtig. Die Nordfriesen behaupten ja: „Sturm ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben.“ ich habe weit und breit keine Schafe von dichtem gesehen. Aber es fühlt sich an, als gäbe es noch eine Steigerung dieses Sturms.
Wir ziehen unsere dicken Winterjacken an, Mützen auf und los an den Strand. Auf der Seebrücke in St. Peter Bad pfeift es richtig. Wenige Menschen sind unterwegs, einige drehen auf halbem Weg um. Vielleicht auch, weil sie nicht ganz passend angezogen sind … ein Jogger kommt uns in kurzen Hosen und T-Shirt entgegen. Ich schaue mit offenem Mund hinterher. Irgendwas hat der nicht mitgekriegt.

Wir wandern weiter Richtung Wasser. Schließlich will ich doch sehen, wo es jetzt ist. Und die Entfernung zur Wasserkante ist tatsächlich noch weiter, als sonst immer schon. Ich kann es nicht schätzen, aber die Entfernung vom Wasser zur Arche Noah (Restaurant im Pfahlbau am Strand) ist weiter als sonst.

Der Wind bläst so stark, dass der Sand nur so über den Strand flitzt. Das sieht wirklich toll aus. Wie Nebelschwaden über dem Boden. Nur dass er sich ganz schnell fortbewegt. Nebel ist ja eher langsam unterwegs. Ich bin fasziniert davon, mache Fotos. Was ich erst später merke, dass der Sand nicht nur in Bodennähe so flott herum weht, sondern auch weiter oben. Denn der Rücken meiner Jacke ist schon mit einer ziemlichen Sandschicht bedeckt. Gut, dass er gerade von hinten kommt. Nicht auszudenken, wenn es uns so ins Gesicht blasen würde. Mist, wir müssen ja auch noch zurück.


Wir gehen am Wasser lang Richtung Ording. Dann können wir gleich noch ein leckeres Stück Torte essen. Der Wind wird immer mehr. Ich wollte eigentlich Wellen sehen. Aber diese kleinen Dinger machen keinen Eindruck auf mich. Kommt eine Welle, wird sie vom Wind einfach weggeblasen. Das habe ich hier auch noch nie gesehen. Die Möwen müssen sich ganz schön anstrengen, um gegen den Wind anzukommen. Die kleinen Strandläufer (Alpenstrandläufer) flattern wie Papierschnipsel im Wind. Zu niedlich.
Unser Vorankommen wird auch nicht gerade einfacher. Wir kämpfen uns Meter für Meter in Richtung Torte. Der Wind kommt jetzt von schräg vorne. Sehr unangenehm. Zumal es seit der Hälfte des Weges zu regnen begonnen hat. Zurück ist keine Option, dafür sind wir schon zu weit. Wir kämpfen uns gegen Wind und Regen Richtung Strandübergang Ording. Ich merke, wie der Regen langsam meine dicke Jacke durchweicht. Meine Ellenbogen sind schon ganz feucht. Meine Kondition lässt auch langsam nach.
Ich muss immer wieder kurz durchschnaufen, dem Wind den Rücken kehren. Irgendwann haben wir es geschafft. Der Strandübergang kommt näher. Wir sind klatschnass. Lust auf Kuchen oder Torte haben wir gerade nicht mehr. Ab ins Hotel. Die nassen Sachen müssen runter. Hoffentlich ist morgen alles wieder trocken, wir haben Pläne für morgen. Strandsegeln Schnupperkurs. Noch ist nicht sicher, dass er stattfindet. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Nächster Morgen:
Der eigentliche Grund, warum wir das Wochenende hier verbringen – Strandsegelkurs. Die letzte Mail kam gestern, dass wir uns auf Nässe einstellen sollen, entsprechende Regenkleidung tragen sollen. Wir haben alles dabei, sind gut vorbereitet. Sehr pünktlich sind wir am Treffpunkt. Das Wetter scheint optimal, ein wenig Wind, kein Regen.
Ein weiteres Auto mit einem Pärchen wartet bereits. Der Mann steigt aus, wollte auch teilnehmen. Denen wurde abgesagt, gerade eben. Uns nicht. Wir können es kaum glauben. Die sagen nicht mal allen Bescheid, wenn die Veranstaltung nicht stattfindet? Nein tun sie nicht. Sie sind, wie sich herausstellt, sehr schlecht organisiert. Eine sehr unfreundliche Frau blafft uns auf Nachfragen an. Na bei denen buchen wir sicher nichts wieder. An Unprofessionalität ist das nicht zu überbieten.
Versöhnung
Stattdessen besuchen wir wieder den Strand, laufen Richtung Westerhever. Wellen und Vögel beobachten, die Wellen werden heute nicht weggeblasen, können einfach abrollen und auslaufen. Stellen fest, wieviele Miniquallen auf dem Trockenen liegen und verrecken.
Heute ist der Tag der unerwarteten Vorkommnisse. Zu meiner großen Überraschung finde ich 3 kleine Bernsteine. ich halte sie lange in der Hand, um sicher zu sein, dass es kein Phosphor ist.

Ich finde auch noch ein wunderschönes Treibholz und bekomme abends noch das passende Motiv dafür serviert. Denn die Sonne kommt raus und taucht das Nordseepanorama in ein sehr stimmungsvolles Gelb-Orange. Ich bin restlos glücklich, wie dieser Tag sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten zum tollen Urlaubstag gedreht hat.


Tschüss SPO!


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