Wildes Leben auf dem Friedhof?

Wie das?? Hört sich widersprüchlich an, oder? Auf dem Friedhof sollten ja besser alle tot sein. Aber, es gibt „wildes Leben“ auf dem am letzten Sonntag mit dem NABU besuchten Waldfriedhof in Buxtehude.

Gemeint sind Kräuter, Bäume, Sträucher, Insekten, Wasserlebewesen, Vögel und so weiter. Dieser Waldfriedhof ist sehr schön und großzügig angelegt. Ich wußte gar nicht, was dort unter der B73 für ein schönes Fleckchen ist. Nach einer kurzen Begutachtung der vom Nabu mitgebrachten Schaustücke an ausgestopften Vögeln und Insekten sind wir dann mit einer überschaubaren Gruppe in den Praxisteil zu eigenen Beobachtungen aufgebrochen.

Vogelstimmen

Wir haben genau hingehört und unterschiedliche Vogelstimmen gehört, unter anderem den Zilpzalp und die Mönchsgrasmücke. Die Vogelstimmen in der Natur lassen sich wunderbar einfach mit der App von Merlinbird“ bestimmen. Die App nimmt das Gezwitscher auf und zeigt gleichzeitig die erkannten Vögel an. Das auch noch kostenlos und wirklich einfach anzuwenden. Wie oft habe ich mich im Garten gefragt, wer dort so schön zwitschert. Ich hatte keine Ahnung. Denn außer Amsel und Elster habe ich kaum einen Vogel erkannt. Aber jetzt!

Buntes Treiben im Wasser

In Nähe des Friedhofs gibt es einen Teich, der durch Regenwasser entstanden ist. Bei großer Trockenheit fällt er auch schon mal trocken. Gerade hat er einen 30 Centimeter geringeren Wasserstand als normalerweise um diese Jahreszeit. Der Teich war voller Knöterich – Laichkraut und mehrere Frösche quakten sehr laut darin und sprangen durch die vielen Blätter der Wasserpflanzen. Ein herrlicher Anblick.

Wir konnten auf großen Steinen am Rand in das Wasser schauen und die vielen Kaulquappen beobachten. Was ein schwarzes Gewusel und Gezappel. Die Kaulquappen hatten bereits kleine Füßchen. Was wird das für ein Gequake, wenn die alle ausgewachsen sind. Tun sie natürlich nicht alle. Die natürlichen Feinde lassen das nicht zu. Aber die Vorstellung ist ohrenbetäubend.

Wir haben verschiedene Wasserläufer und Rückwärtsschwimmer gesehen, Blätter, die an der Unterseite mit Laich besetzt waren. Wir konnten ihn nicht genau identifizieren.

Durch die Luft

Kleine blaue Libellen – Azurjungfern flogen in den hohen Gräsern umher, landeten und flogen weiter.

Auch eine wunderschöne, bunte, große blaugrüne Masaikjungfer kreiste lange über dem Teich. Ich habe versucht sie mit meinen Teleobjektiv zu fotografieren, aber das war schwierig. Die war sehr schnell, viel schneller als ich.

Pflanzenvielfalt an Land

Am Uferrand gab es viele verschiedene Gräser, die ich kaum unterscheiden konnte, aber wunderschön gelb und blau blühten. Blaue Wasserlilien, Ackerwittwenblumen, gemeine Nelken und Jakobskreuzkraut gehörten dazu. Das Jakobskreuzkraut ist giftig und war noch nicht aufgeblüht.

Auf dem Weg durch den Wald ersten Pilz entdeckt, trotz sehr trockener Wetterlage.

Überall hübsche Pflanzen, die ich nicht kenne. Und bei genauem Hinsehen krabbelt es an den Pflanzen. Wir finden eine „Gemeine Feuerwanze“. Die bevölkert zuhause im Garten unsere Stockrosen. Mich hat das bisher nicht begeistert, denn ich habe sie als Schädling empfunden. Aber selbst diese Tierchen haben ihre Aufgaben. Sie halten die Pflanzen von abgestorbenen Pflanzenteilen frei und was ich noch positiver finde, sie dienen anderen Tieren als Nahrung.

Ähnlich wie bei Läusen auf meinen Rosen. Die finde ich grundsätzlich auch nicht sehr positiv. Aber Ameisen zapfen die Läuse an und saugen sie aus und zum Beispiel Meisen ernähren sich ebenfalls von ihnen. Sie müssen sie nur erstmal finden. Darauf spekuliere ich jetzt. Denn bisher bin ich den Läusen an meiner Rose mit „grüner Seife“ auf den Leib gerückt. Das lass ich jetzt erst einmal. Vielleicht regelt die Natur das wirklich selbst und ich bin wieder zu übereifrig.

Kleine Flieger

Weiter ging’s zum Insektenhotel. Dieses wurde erst vor ca. 2 Monaten vom NABU aufgestellt und war noch lange nicht voll besetzt bzw. bewohnt. Aber einige Insekten konnten wir beim Einzug beobachten. Sie brachten Blütenstaub in die kleinen Höhlen. Wir erfuhren, dass die weiblichen Bienen immer im hinteren Teil der Höhle schlüpfen und die männlichen im vorderen. Ein Schmarotzer namens Taufliege naschte von den abgelebten Eiern der Wildbienen. Verhindern können sie es nicht. Aber den Bestand gefährden sie damit auch nicht.

Insektenhotel des Nabu auf dem Waldfriedhof in Buxtehude.

Fazit

Bei 29° im Schatten die Pflanzen- und Tierwelt erkunden ist auch anstrengend. Aber die Informationen des Nabu-Teams – Inken und Bernd – waren es wirklich wert. Lernen macht Spaß und diese Veranstaltungen sind so schön hilfreich. Ich besuche diese Events immer gerne. Auf deren Homepage gibt es eine große Auswahl an unterschiedlichsten Veranstaltungen.

Veranstaltungen des Nabu in Niedersachsen

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